Islam und Koran

Instrumente spielen und Musik hören

Frage:

Sie geben Fatwas, die besagen, dass es unbedenklich sei Musikinstrumente zu spielen oder Musik zu hören. Wie ist in diesem Zusammenhang folgendes Hadith zu verstehen: ,,Es werden Leute aus meiner Umma auftauchen, welche Ehebruch, Seide, Alkohol und Musikinstrumente für erlaubt erklären” (Sahih al-Bukhari). Ist dieses Hadith etwas nicht sahih?

Antwort:

Wenn auch die Überlieferungskette von diesem Hadith sahih, also nicht zu tadeln ist, so ist sie doch zumindest inhaltlich zu tadeln, denn Ehebruch und Alkohol sind strenge Verbote im Koran. Das Tragen von Seide ist ein Verbot, das der Prophet (Friede sei mit ihm) Männern auferlegt hat, wobei er Seide in der Größe einer Handfläche erlaubte (Siehe Tirmidhii, Libas, 1; Abu Dawud, Libas, 7).

Für das Verbot von Midhmar, also Musikinstrumenten, gibt es allerdings keine Beweise.

Wer das Verbot von Alkohol und Ehebruch leugnet, gilt als Ungläubiger und tritt aus der Ummah (Gemeinschaft des Propheten) aus. Bei der Überlieferung zum Trage-Verbot von Seide handelt es sich jedoch um eine Ahad-Überlieferung (nur von einer einzigen Person überliefert). Hierbei wird derjenige, der eine solche Überlieferung nicht anerkennt, nicht als Ungläubiger angesehen. Selbst wenn Seide und Musikinstrumente als haram angesehen wären, könnte man sie höchstens als kleine Sünden ansehen. In diesem Fall wären in dem oben erwähnten Hadith große und kleine Sünden vermischt worden.

Gott Teala sagt:

Diejenigen, die schwerwiegende Sünden und Abscheulichkeiten meiden, außer leichten Verfehlungen… Gewiss, dein Herr ist Allumfassend in (Seiner) Vergebung. Er wusste sehr wohl über euch Bescheid, als Er euch aus der Erde hervorgebracht hat und als ihr Keimlinge in den Leibern eurer Mütter gewesen seid. So erklärt nicht euch selbst für lauter. Er weiß sehr wohl, wer gottesfürchtig ist (an-Nadschm, der Stern 53/32).

Wie man an diesen Versen erkennen kann, unterscheidet Gott zwischen großen und kleinen Sünden. Alkohol und Ehebruch zählen zu den großen Sünden. Dass das Spielen von Musikinstrumenten zu den großen Sünden gehört, ist jedoch keiner Quelle zu entnehmen. Es scheint also offensichtlich, dass der Prophet eine solche Vermischung nicht vorgenommen hätte.

Gott Teala sagt in einem anderen Vers:

Er hat euch doch ausführlich dargelegt, was Er euch verboten hat, außer dem, wozu ihr gezwungen werdet (al-An’am, das Vieh 6/119).

Der Prophet (Friede sei mit ihm) sagte: ,,Was halal ist, ist offenkundig, und auch das, was haram ist (Bukhari, İman, 39, Magie’, 2; Muslim, Musakat, 107; Abu Dawud, Magie’, 3; Tirmidhi, Magie’, 2; Nesai, Magie, 2; İbn Maja, Fiten, 14).”

Es gibt noch einige andere Hadithe zum Thema Musik und Musikinstrumente. Imam Ghazali, Kamaluddin Ibn Humam, Abdülganî Nablusî, İbn Âbidîn, Takiyyuddin Subkî, Remlî, İbn Hazm und  Şawkânî und andere Gelehrte haben diese Hadithe ausgelegt. Zusammengefasst besagen diese Interpretationen: In diesen Hadithen geht es hauptsächlich um Lahw, also um Zusammenkünfte mit Frauen und Alkohol, wie in einer Taverne. Dass die Musikinstrumente oder die Musik in diesem Zusammenhang haram sind, hat nichts mit Musik oder Musikinstrumenten an sich zu tun, sondern damit, dass sie für unzulässige Dinge missbraucht werden oder an Orten gespielt werden, an denen unzulässige Dinge geschehen. Folglich sind diese Instrumente unproblematisch, solange sie bei Zusammenkünften gespielt werden, bei denen keine der genannten Verbote missachtet werden. Werden dabei jedoch verbotene Handlungen (Haram) vollzogen, werden diese Instrumente gemäß der Regel ,,was zu Haram führt, ist selbst haram” ebenfalls unzulässig (Ghazâlî, ihyâ, VI, 142-144; İbn Humâm, Fathu’l-Kadir, VI, 482; Nablusî, Îdâhû’d-Dalâlât, Süleymaniye Ktp., Esat Ef., nr., 1762/1, vr., 7a-b, 8a-b, 9a, 11a, 27a, 28a; İbn Âbidîn, Hâşiyet-u Reddull-Mukhtâr, V, 305, 307; Şawkânî, Neylü’l-Awtâr, VIII, 113-119; Subkî,Tekmile, XX, 230; Remlî, Nihâyatu’l-Muhtâj, VIII, 298; Muhallâ, VII, 567).

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